Sonntag, 30. Oktober 2011

Der Oktober ist ja nun fast rum ...

... und damit auch das September/Oktober-Lesemotto der Lesenden Minderheit. Gerade noch rechtzeitig hab ich mein Buch zur Aufgabe "Lies ein Buch, in dessen Titel ein Tier vorkommt", geschafft. Ihr erinnert euch? Ich hab mich für "Der Sommer der Schildkröten" von Nina de Gramont entschieden.

Und hier jetzt meine Rezi:

Erst mal das Technische:

Nina de Gramont: Der Sommer der Schildkröten (The Gossip of the Starlings), aus dem Amerikanischen von Gesine Schröder (c) 2011 Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 



zum Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 1985. Catherine ist 17, lebt in Neuengland als Tochter eines zu Wohlstand gekommenen Arbeiters und seiner französischstämmigen Frau und ist gerade frisch aufs Mädcheninternat Esther Percy gekommen. Der Grund: Ihr Vater hat sie mit ihrem Freund John Paul im Bett erwischt und ist der Meinung, dass eine reine Mädchenschule ihr guttäte. Catherine ist gelangweilt, ihre einzige Abwechslung sind das Reiten (das sie sehr erfolgreich betreibt) und Drogen. Ob Alkohol, Joints, halluzinogene Pilze oder Kokain - Catherine probiert alles aus.
Dann bekommt sie eine neue Mitschülerin: Skye Butterfield. Die bildschöne, skandalumwitterte Tochter eines charismatischen Senators fasziniert Catherine von der ersten Sekunde an. Und Skye macht sie zu ihrer Freundin. Gemeinsam erleben die beiden Mädchen Trips, sie treffen sich heimlich mit Catherines Freunden und brechen so ziemlich jede Schulregel, die in der Geschichte erfunden wurde. Dabei deckt Skye Seiten von Catherine auf, die dieser bis jetzt selbst nicht bekannt waren.
Catherines beste Freundin Susannah hält allerdings nicht viel von Skye. Und was erst als reine Eifersucht auf die neue Freundschaft daherkommt, stellt sich schnell als eine Ahnung heraus, die in einer Katastrophe mündet. Denn Skye versucht um jeden Preis, ihren berühmten Vater zu einer Reaktion zu zwingen. Dabei ist ihr jedes Mittel recht und sie setzt nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel. Und irgendwann geht sie zu weit ...

Meine Meinung:
Ich muss ganz ehrlich sagen, ich weiß nicht so recht, was ich von dem Buch halten soll. Die Geschichte an und für sich ist gut, nicht neu, aber gut. Eine typische Coming-of-Age-Story, die ich eigentlich als Jugendbuchplot auch eher in einem klassichen Jugendbuchverlag vermutet hätte (Aufbau ist jetzt nicht SO der Jugendbuchverlag ;-)). Aber ganz ehrlich: Ich hab ja beruflich viel mit Jugendbüchern zu tun, und der Text wäre mir stilistisch und sprachlich nicht als Jugendbuch durchgegangen. Man kommt den Figuren meiner Meinung nach nicht so richtig nah, bleibt immer ein bisschen außen vor. Dadurch hat es mich nicht wirklich in die Geschichten hineingezogen, ich blieb unbeteiligter Beobachter. Der Stil ist sehr distanziert - aber nicht so schmerzhaft distanziert, wie es z.B. bei der "Geisha" von Arthur Golden oder dem "Projekt" von Alice Gabathuler der Fall war, sondern einfach zu weit weg vom Geschehen. Erst auf den letzten 50 Seiten konnte ich das Buch kaum  noch aus der Hand legen, weil ich jetzt einfach wissen wollte, wie es ausgeht. Hier passen für mich Inhalt und Umsetzung nicht zusammen, der Plot hat meines Erachtens eine andere Zielgruppe als die Schreibe. Außerdem sind da ein paar Unsauberkeiten (m.E. unzulässige Perspektivwechsel, Zeitsprünge, offene Enden), die mich als Lektorin doch stören.

Für mich hatte die Leseerfahrung große Ähnlichkeit mit einem meiner letzten Kinobesuche, als ich mit zwei Kolleginnen in "Somewhere" von Sofia Coppola war. Und da hab ich festgestellt: Arthouse ist nichts für mich ... Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Schlecht ist "Der Sommer der Schildkröten" sicher nicht, aber nichts für mich.

Und noch was: Wie es zu dem Titel gekommen ist, würde mich auch mal interessieren ;-)

Jetzt bin ich gespannt, was das Lesemotto für die nächsten beiden Monate sein wird!

1 Kommentar:

Muddi hat gesagt…

Ich bin nicht mal dazu gekommen, ein Buch AUSZUSUCHEN! Bald wird alles ruhiger.... *bitte*

;o)

Liebe Grüße,
Sarah